Die geschichtlichen Anfänge der Chinesische Kräutertherapie

Shen Nong (神農) – „Divine Farmer“ („Der göttliche Bauer“) 

— Begründer und „Gott“ der Chinesischen Kräutermedizin

Die geschichtlichen Anfänge der chinesischen Kräutertherapie reichen ca. 5000 Jahre zurück, die Zeit in der Shen Nong (2737-2697 v.Chr.) die Geschichte Chinas prägte. Laut der chinesischen Mythologie ist Shen Nong einer der drei Halbgötter und der Urheber der chinesischen Kräutertherapie. Für seinen Beitrag zur Landwirtschaft, Kräuterkunde und Medizin ist er unter zahlreichen Titeln bekannt, u.a. als „Kaiser der fünf Getreide“ und „Gott der Chinesischen Medizin“.

In einer Zeit der Nahrungsknappheit traf Shen Nong das Leid seiner Mitmenschen sehr. Nachdem er einen kranken Mann nicht vor seinem Tod bewahren konnte, tat er alles in seiner Macht stehende, um sein medizinisches Wissen zu erweitern. Im Selbstversuch probierte Shen Nong bis zu 70 Wildpflanzen pro Tag und kategorisierte diese nach Geschmack und potentiell heilenden Eigenschaften. Auf diese Weise klassifizierte er insgesamt 365 Kräuterarten, mit dem Ziel, dessen Wirksamkeit auf den menschlichen Körper zu testen. Die Legende besagt, dass er, neben anderen besonderen Fähigkeiten, einen transparenten Körper gehabt haben soll, sodass er die Wirkung der Kräuter direkt in seinem Inneren beobachten konnte. Ca. 49 Tage lang reiste er in die Berge, um geeignete Heilpflanzen für sein Volk zu finden und stieß auf eine große Auswahl an Pflanzen, Blumen und Kräutern. Unter anderem entdeckte er Früchte, Gemüse und Nutzpflanzen, wie Weizen, Reis, Hirse, Bohnen und Sorghum, die im Volksmund als „Die fünf Körner“ bezeichnet werden und die fünf Hauptgetreide des alten Chinas darstellen.

Zahlreiche, ihm unbekannte Kräuter wiesen jedoch deutliche toxische Effekte auf, die beinahe sein Todesurteil bedeuteten. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte er ein Gegenmittel, das gegen alle Gifte wirkte. Dieses wundersame Mittel mit medizinischem Wert nennt sich „chá“ (茶 – Tee). Eines Tages entfachte Shen Nong ein Feuer um Wasser zu kochen, als einige Blätter in den Topf fielen. Shen Nong, der ohnehin alles verkostete, trank einen Schluck des Gebräus, der ihm verhalf, Toxine von allem Schädlichen das er zu verdauen versuchte, abzuwehren. Es half ihm sogar dabei, bis zum reifen Alter von 120 Jahren zu leben. So rief Shen Nong die Teekultur ins Leben, sodass sich aus dem wundersamen Heilmittel Tee im Laufe der Zeit ein alltägliches Getränk entwickelte. Diese wurde durch die Generationen weiter kultiviert und perfektioniert, bis zu der Teetradition, wie wir sie heute kennen.

Shen Nong starb, als er ein “Darm-zerreißendes Gras” (斷腸草 duàn cháng cǎo) probierte, außerstande rechtzeitig sein Gegenmittel zu trinken. Er opferte sein Leben für die Gesundheit der Menschheit und sein umfangreiches Wissen prägt bis heute die Chinesische Medizin.

Über die Zeit entwickelte er ein Verständnis dafür, wie verschiedene Pflanzen wachsen, welche Bodenbedingungen geeignet sind und in welchen Jahreszeiten die Kräuter gedeihen. Ebenso soll er Werkzeuge und Techniken der Landwirtschaft entwickelt und eingeführt und so die Landwirtschaft in China revulotioniert haben. Auch Methoden zur Konservierung, Haltbarmachung und Lagerung von Lebensmitteln sind auf ihn zurückzuführen, so sicherte er die Ernährung seines Volkes. Darüber hinaus grub er Brunnen für landwirtschaftliche Bewässerung und führte den wöchentlichen Bauernmarkt, den chinesischen Kalender und die Erntedankzeremonie ein. Seine gesamten Erkenntnisse lehrte er der chinesischen Gesellschaft. Neben den bisher genannten Errungenschaften in der Landwirtschaft und der chinesischen Kräuterheilkunde, soll er zudem das therapeutische Verständnis weiterer chinesischer Heilmethoden, wie der Pulsdiagnostik, Akupunktur und Moxibustion eingeführt und verfeinert haben.

Tausende von Jahren später stellten Gelehrte der Han-Dynastie ein Buch zusammen, das auf Shen Nongs Untersuchungsergebnissen basierte – „Heilkräuterklassiker nach Shen Nong dem göttlichen Bauern (神農本草經 Shén Nóng Běn Cǎo Jīng)“, das bis in die heutige Zeit ein zentrales Werk der Chinesischen Medizin darstellt. 

Das Shén Nóng Běn Cǎo Jīng (The Divine Farmer´s Materia Medica Classics)

Dieses Werk ist eines der 10 Klassiker der Chinesischen Medizin, das zweitwichtigste Werk neben dem „Huang Di Nei Jing„. Während das Huang Di Nei Jing der zentrale Klassiker der Theorien der Chinesischen Medizin, v.a. von Akupunktur und Moxibustion, darstellt, wird das Shen Nong Ben Cao Jing als der zentrale Klassiker der chinesischen Kräuterlehre angesehen. Diese beiden Werke bilden die Grundlage für die folgende Literatur zu Chinesischer Medizin. 

Die erste Erwähnung des Shen Nong Ben Cao Jing geht auf die Schriften von Tao Hongjing zurück (452-536 CE). Die Erkenntnisse von Shen Nong wurden per mündlicher Überlieferung über Jahrhunderte überliefert und seine Originaltexte wurden von Tao Hongjing in dem genannten Werk niedergeschrieben (veröffentlicht um 500 A.D.).

Das Shen Nong Ben Cao Jing wurde erst in drei Büchern verfasst und später in sieben Bücher erweitert (Ben Cao Jing Ji Zhu). Im Vorwort werden drei verschiedene Bücher erwähnt, verschiedene Versionen des „Shen Nong Ben Cao Jing“, das „Tong Jun Cai Yao Lu“ und das „Lei Kung Yao Dui“. In den frühen Zeiten der Tang-Dynastie integrierte Sun Si Miao lange Teile des Shen Nong Ben Cao Jing in sein eigenes Werk namens „Qian Jin Fang“. Es ist eines der frühsten Ressourcen, dass das Shen Nong Ben Cao Jing wiedergibt. Die bekannteste und wichtigste Wiedergabe ist das „Jing Sei Zheng Lei Bei Ji Ben Cao“ (Tang Shenwei, 1108 CE).

Der medizinische Klassiker „Shen Nong Ben Cao Jing“ (The Divine Farmer´s Materia Media Classic), der vom „Chinese Medical Classics Publishing House in Beijing“, 1982 veröffentlicht wurde, ist die bekannteste heutige Version. Es basiert auf dem „Ben Sao Jing“ von Sao Yuanyu (1987), das am nächsten am Original sein soll. 

Ramona Pick