Tuina / Anmo — Die manuellen Techiken der Chinesischen Medizin

Die chinesische Massage (CMM)

Wir kennen alle nur zu gut die gezielten, wohltuenden Berührungen von Massagen, sei es eine Wellness- oder eine medizinische Massage, eine schwedische – oder eine klassische Massage oder gar eine Thaimassage. 

Die asiatischen Behandlungsmethoden – Shiatsu, Akupressur, die energetischen Striche der Aku-Punkt-Massage (APM), sowie das „Strömen“ aus dem Jin Chin Jitsu – basierend auf den Prinzipien der Chinesischen Medizin (CM), leiten sich alle von den Techniken oder Verfahren der CM und den manuellen Techniken der CM ab.

Shiatsu, ähnlich der Akupressur, stammt aus der japanischen Medizin (Kampo = han fa = chinesische Methode) und heißt übersetzt „Fingerdruck“. Akupressur ist der Druck, der auf bestimmte Akupunkturpunkte ausgeübt wird. Bei diesen Methoden steht die Stimulierung der Akupunkturpunkte im Vordergrund. 

Diese Technik des Drückens oder Pressens ist eine der 20 Grundtechniken der chinesischen Massage (CMM; Tuina / Anmo).  Die genannte Manipulation des Drückens oder Pressens heißt auf Chinesisch An fa (An = Druck, fa = Methode). 

Das energetische Streichen über die Leitbahnen, oder das „Meridian-Ziehen“ der APM-Methode, unter Zuhilfenahme des APM-Stifts, ähnelt einer Kombination der Massagetechniken des Schiebens (Tui fa) und des Schabens (Gua fa).

Tuina / Anmo ist mehr als nur Massage und mehr als nur An fa (drücken) und Tui fa („ziehen“) auf den Leitbahnen. Anmo könnte mit Massage übersetzt werden, während Tuina neben den Massagetechniken, Manipulationen, chiropraktische und osteopatische Techniken in sich vereint. 

Massagen, oder andere manuelle Behandlungsformen, sind in allen Kulturen der Erde zu finden. Es ist eine unserer ersten Reaktionen, eine verletzte Stelle oder ein schmerzhaftes Areal, zu reiben, zu drücken oder zu streichen. Die Besonderheit der Tuina-Therapie liegt darin, dass sie einerseits alle manuellen Techniken vereint, ohne zwischen Massieren, Einreiben, Manipulieren und Reponieren zu trennen, andererseits stützt sie sich auf ein Jahrtausende altes System der Betrachtung und Erkennung von Krankheit und Gesundheit.

Die Grundlagen der manuellen CM basiert sowohl auf dem ganzheitlichen chinesischen Denken, als auch auf der Grundlagentheorie der CM (die Theorie der Meridiane und Akupunkturpunkten, energetische Physiologie und Pathologie und energetischen Diagnose, bestehend aus Zungendiagnose, Gesichtsdiagnose, Diagnose durch Hören und Riechen, einer speziellen Anamnese und der Palpitation, insbesondere der Pulse).

Ähnlich der Akupunktur können unter Anderem spezielle Punkte stimuliert werden, um den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So kann die Tuina-Behandlung gerade bei orthopädischen Erkrankungen oft erfolgreicher sein, als Akupunktur oder zumindest das „Nadeln“ ergänzend, um Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke zu entspannen und zu lockern. Gelenkblockierungen oder Fehlstellungen können wieder durch Manipulierungen im Sinne der manuellen Medizin oder der Chiropraktik korrigiert oder reponiert werden. 

Dabei sind nicht nur die genannten anatomischen Strukturen wichtig, sondern die Energiegefäße oder Leitbahnen (jing luo), insbesondere die sogenannten Tendinomuskulären-Leitbahnen werden dabei behandelt (aber auch die Bereiche außerhalb der Leitbahnen), um Blut und Energiestagnationen zu lösen, den Qi- (Energie-) und Blut-Fluss zu fördern, die Gefäße durchgängig zu machen (tong jing luo), um Schmerzen zu lindern und die innere Harmonie wieder herzustellen. 

Daher ist die CMM besonders zur Behandlung von Schmerzen und Dysfunktionen des aktiven und passiven Bewegungsapparates geeignet, sowie zur Behandlung des myofaszialen Schmerzsyndroms. 

Ähnlich der Akupunktur, sollte die Tuina-Behandlung nicht auf dieses Krankheitsgeschehen reduziert werden. Ihr Einfluss auf viszerale Funktionen oder auf die mentale und psychische Ebene ist hervorzuheben. Dies ist nicht nur durch die Theorie der CM zu erklären, sondern ebenfalls über die neurophysiologischen kutiviszeralen Reflexe, sowie durch die uns bekannten heilsamen Berührungen, die einen abschalten lassen, um im Sinne des „Wellness“ Trends, Körper, Geist und Seele zu vereinen.

Kinder-Tuina

Eine spezielle Tuina-Behandlung wurde für Kinder entwickelt. Sie kann sowohl bei Erkältungskrankheiten und Lungen- und Bronchialerkrankungen eingesetzt werden, als auch bei Erkrankungen des Verdauungs- und Urogenitaltraktes, sowie bei Schlafstörungen.

Es gibt im Tuina über 20 verschiedene Grundtechniken.

Sie werden unterteilt in sogenannte:

  • schwingende Techniken (bai dong)
  • reibende, „scheuernde“, oder streichende Techniken (mo ca)
  • pressende oder drückende Techniken (ji ya)
  • vibrierende Techniken (zhen dong
  • klopfende Techniken (kou ji
  • manipulierende oder bewegende Techniken (yun dong guang jie)

Zu den Schwingenden Techniken gehört:

das Rollen (gun fa) und das Kneten (rou fa)

Zu den Reibenden Verfahren gehören:

das Schieben (tui fa), kreisendes Reiben (mo fa), das Quirllen (cuo fa) etc.

Zu den Techniken des Pressens und Drückens gehören:

das Drücken (Shiatsu/Akupressur) (an fa), Greifend (na fa), Kneifen (dian fa) etc.

Zu den Techniken des Vibrierens gehören:

das Vibrieren (zhen fa) und Schütteln (dou fa).

Techniken des Klopfens sind:

das Klatschen (pei fa) und Klopfen (kou fa)

Manipulierende Techniken sind:

das Gelenkeziehen, Dehnen (ba shen fa), Gelenkerotieren (yao fa) etc.

Weitere manuelle Behandlungsmethoden:

Zu den Behandlungsmethoden An mo (Massage) Tui na (Chiropraktik/Osteopathie) müssen auch die folgenden Methoden gezählt werden:

  • Li liao (Naturbehandlungen),ein der Physiotherapie ähnliches Fachgebiet, mit Einreibungen, Wasser- Badanwendungen, etc. 
  • Gu shang ke (Wund- und Frakturbehandlungen) (gu = Knochen, shang = Wunden, ke = Fachgebiet) 

Die Wirkung von Tuina / Anmo, nach Kriterien der Chinesischer Medizin, sind wie folgt:

  • Öffnet die Leitbahnen / Meridiane, aktiviert die Gefäße und löst Stagnationen
  • erwärmt die Meridiane und öffnet die Kollateralen
  • Lindert Schmerzen und Krämpfe
  • Bewegt das Qi und ermöglicht dessen freien Fluss
  • Zirkuliert, aktiviert und befreit das Blut 
  • Öffnet die Oberfläche und vertreibt äußere pathogene Faktoren, wie Wind und Kälte
  • Klärt und befreit die Sinnesöffnungen
  • Entspannt Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke
  • Mobilisiert die Gelenken und verbessert die Beweglichkeit
  • Reguliert Yin und Yang (Kälte und Hitze, Fülle und Leere)
  • Kräftigt die vitalen Energien
  • Stärkt und tonisiert die Energie der Funktionskreise Niere und Leber, zur Stärkung der Knochen, Sehnen und Gelenke
  • Stärkt und tonisiert Milz und Magen, zur Stärkung der Verdauung und Beseitigung von Nahrungsmittelstagnation
  • Stärkt Herz, Kreislauf und Lunge und verbessert den allgemeinen Zustand
  • Hilfreich bei stressbedingten Störungen
  • Wirkt beruhigend und regulierend auf den Geist (shen)
  • Als prophylaktische Maßnahme zur Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes

Gerd Wiesemann

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