Die chinesische Kultur

Die Kultur Chinas zählt zu den ältesten Kulturen der Welt. Seit Urzeiten ist das Land als das „Himmliche Reich“ bekannt, als Umschreibung der Koexistenz von göttlichen und sterblichen Wesen. Man spricht von einer „göttlich inspirierten“ Kultur, vor dem Hintergrund des Glaubens, dass den Chinesen in den verschiedenen Dynastien durch das Göttliche eine reichhaltige Kultur überliefert wurde. Die chinesische Kultur zeichnet sich als die Einzige weltweit dadurch aus, dass sie eine durchgängig aufgezeichnete Geschichte von 5000 Jahren besitzt. Wertvolle Hinterlassenschaften sind zahlreiche literarische Klassiker, historische Dokumente und kulturelle Relikte, sowie nationale Aufzeichnungen, die ihren riesigen Entfaltungsbereich widerspiegeln.

Als Begründer der chinesischen Kultur gelten die Urkaiser Chinas, die drei Souveräne bzw. drei Erhabenen der chinesischen Mythologie. Für 18.000 Jahren soll der Himmenssouverän geherrscht haben (天皇, Tiānhuáng), für 11.000 Jahren der Erdsouverän (地皇, Dìhuáng), und für 45.800 Jahre der Menschsouverän (泰皇, Tàihuáng oder 人皇, Rénhuáng), was jedoch historisch nicht nachweisbar ist. Die belegten Anfänge der chinesischen Kultur werden dem Gelben Kaiser (Huáng Dì) vor mehr als 5000 Jahren zugeschrieben, dem große Weisheit nachgesagt wird. Er soll der erste der fünf mythischen Modell-Herrscher gewesen sein, die das Land vor den Dynastien beherrscht haben. Huáng Dì (2674-2575 v.Chr.) folgte Zhuanxu (2490-2413 v.Chr.), (2412-2343 v.Chr.), Yáo (2333-2234 v.Chr.) und Shen (2233-2184 v.Chr.). Die Herrschaftszeiten der Urkaiser galten als das „Golgene Zeitalter Chinas“.

In alten chinesischen Legenden wird von Göttern berichtet, die essentielle Kulturelemente an die Menschheit weitergaben, wie beispielsweise Cangjie die chinesischen Schriftzeichen, Shennong den Ackerbau und Suiren die Nutzung von Feuer. Den Grundbaustein, auf dem die 5000 Jahre alte chinesische Zivilisation gründet, sind die drei Religionen Chinas, der Konfuzianismus, der Buddhismus und der Daoismus, auch bekannt als „die drei Lehren“. Yáo und Shùn sollen die beiden Kaiser gewesen sein, die mit Yu, dem Begründer der Xia-Dynastie, die vorbildlichen Herrscher und moralischen Vorbilder des Konfuzianismus waren. Das daoistische Denken wurde vor ca. 2500 Jahren von dem Weisen Lao Tse in seinem Buch „Dao De Jing“ als Quelle der chinesischen Kultur dargelegt, beschrieben als der „mysteriösen Weg des Universums“ („Tao„).

Der Konfuzianismus entstand 5. Jh. v. Chr. und legt Wert auf moralische Richtlinien, bezogen auf die Staatsführung, die Familie und das Benehmen jedes Einzelnen. Beginnend mit der Han-Dynastie (206–220 n. Chr.), waren die Lehren des Konfuzius (551–479 v. Chr.) richtungsweisende Prinzipien für fast jede chinesische Dynastie.

Der Buddhismus wurde im Jahr 67 n. Chr. aus Indien in die chinesische Kultur eingebracht und angepasst. Der Schwerpunkt lag auf der Meditation und der Errettung des Einzelnen. Die drei Religionen erreichten ihre Höhepunkt während der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.), oft bezeichnet als „Spitze der chinesischen Zivilisation“. Aus der Lehre der Religionen gingen Leitbilder hervor, wie „Mensch und Natur müssen in Einklang sein“, „Respektiere den Himmel, um dein Schicksal zu kennen“, und die fünf Kardinaltugenden — Güte, Aufrichtigkeit, Anständigkeit, Weisheit und Treue (ren yi li zhi xin) — die innerhalb der 5000 Jahre beständig durchgesetzt wurden.

Die Beeinflussung durch andere Kulturen war sehr gering, während China selbst viele asiatische Kulturen entscheidend prägte. Nach der Entstehung der drei Lehren, fand über fast 2000 Jahre kein nennenswerter kultureller Umbruch mehr statt. Erst im 20. Jh. nahm der Kommunismus wieder entscheidenden Einfluss mit der sog. „Kulturrevolution“, ein Kampf gegen die alten kulturellen Werte. Für chinesische Kulturen, die von dieser Revolution weniger betroffen waren, ist das kulturelle Erbe, mit seinen Religionen und Ritualen, weiterhin sehr präsent. Durch die Globalisierung und Chinas zentrale Rolle als Wirtschaftsmacht, prägen heutzutage vermehrt äußere Einflüsse die chinesische Kultur.

Zahlreiche traditionelle, chinesische Kulturgüter wurden bis heute erhalten, dazu gehören die Jahrtausende alten chinesischen Schriftzeichen, aus denen sich andere asiatische Schriften entwickelten, die chinesische Teekultur, die älteste Teekultur der Welt, sowie die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) und die chinesischen Kampfkünste Kung Fu und Tai Chi.

Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China sind vergleichsweise groß und beginnen schon beim Jahreswechsel. Es ist noch nicht lange her, dass wir hier in Deutschland den Neujahrstag am 1. Januar gefeiert haben. Das neue Jahr in China hat jedoch noch nicht begonnen. Das Neujahrsfest ist der bedeutendste Feiertag in China, der auf einen Kalendertag mit Neumond, zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar nach dem Bauernkalender, fällt. Im 12-Jahres-Zyklus wird jedes Jahr nach einem Tier benannt. Die Chinesen sind ein sehr gemeinschaftliches Volk und feiern derartige Feste gerne in großer Gesellschaft. Das Wohl der Gemeinschaft wird stets über das Wohl des Individuums gestellt („Kollektivismus“). Eine weitere kulturelle Besonderheit ist das große Bewusstsein für gesellschaftliche Hierarchien. Gehorsam und Respekt gegenüber höher gestellten Personen sind sehr bedeutsam in der chinesischen Kultur. Selbstbeherrschung und Höflichkeit haben in China einen sehr hohen Stellenwert. Der chinesische Alltag ist geprägt von ritualisierten Handlungen und Prozessen, legitimiert durch die Tradition und die Ahnen. Den Vorfahren ist Folge zu leisten, sodass dessen Rituale weitergefühlt werden. Ein Beispiel sind die Teezeremonien. Die Menschen in China sind sehr darauf bedacht, den Ruf und die Wertschätzung, die eine Person genießt, nicht zu beschädigen, also „das Gesicht zu wahren“. Ebenso werden starke Emotionen nicht offen gezeigt. Es wird angestrebt Konflikte generell zu vermeiden, um die Harmonie im Umgang miteinander zu wahren. Es ist absolut verpönt, Personen offen zu kritisieren. Die Freizeit nimmt, gegenüber Schule, Studium und Arbeit, eine eher untergeordnete Rolle ein. Die Chinesen sind sehr leistungsorientiert, denn nur gute Leistungen verheißen Erfolg.

Die chinesische Esskultur weist besonders deutliche Unterschiede zu der deutschen auf. So gilt es einerseits in China als sehr unhöflich, sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen, während rülpsen und schmatzen am Esstisch völlig in Ordnung ist. Des Weiteren sollte man als Gast nie dargebotene Speisen restlos verzehren, dies bringt den chinesischen Gastgeber in Verlegenheit, nicht genügend aufgetischt zu haben. Ein absolutes Tabu ist, die Stäbchen senkrecht in die Reisschüssel zu stecken. In Restaurants sollte man wissen, dass es als unhöflich gilt, Trinkgeld zu geben und Geschenke des Hauses sollten in keinem Fall abgelehnt werden. Wird man privat eingeladen, so gehört ein Gastgeschenk zum guten Ton, jedoch bitte keine Blumen wie in Deutschland, da diese in China mit Trauer assoziiert werden. Themen, die am Esstisch nicht angesprochen werden sollten, sind Politik, Religion und die chinesische Kulturrevolution, Menschenrechte, während Themen rund um die Familie immer ein gutes Gesprächsthema darstellen.

Diese kulturellen Besonderheiten sind den Jahrtausende alten Traditionen Chinas geschuldet und prägen dessen Kultur fortlaufend weiter.

Ramona Pick

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s