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TCM – Traditionelle Chinesische Medizin

12. Feb. 2021

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein System, das vom Lehrer zum Schüler weiter vermittelt wird und das seit mehr als 4000 Jahren in seinen Grundzügen unverändert geblieben ist, ganz im Gegensatz zu unserem mechanisch/technisch geprägten und naturwissenschaftlich ausgerichteten Medizinsystem der Moderne. Was heute an den Universitäten gelehrt wird, kann morgen schon alt und überholt oder gar falsch sein.

Die Grundlage der TCM bildet ein eigenständiges, in sich geschlossenes System der „Zuordnungen“ (yin & yang, fünf Wandlungsphasen, das Meridiansystem, usw.), basierend auf Jahrtausende alten Erfahrungen, aber auch moderne, wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht ausgeschlossen.

Nicht Quantität (quantifizieren) steht im Vordergrund, sondern Qualität.
Nicht isolierte Organe und Organfunktionen, sondern vernetzte Organfunktionsabläufe.
Nicht Messung, sondern Erspüren.
Nicht Laborwerte, sondern Lebensqualität.
Nicht bildgebende Verfahren, sondern energetisches „Erfühlen“.

Der TCM-Arzt kann mit seinen Methoden Störungen im Organfunktions- oder Organkreissystem feststellen und die eigentlichen Ursachen dafür herausfinden. Dabei können diese Störungen im westlichen Sinn (schulmedizinisch definiert) unterschiedliche Krankheitsbilder darstellen oder Krankheitsnamen tragen.

So kann sich eine Störung im Organkreis Leber (die als TCM-Diagnose Energieblockierung der Leber, Leber-yang-Fülle oder Leber-Feuchte-Hitze genannt wird), symptomatisch oder als westliches Krankheitsbild, folgendermaßen darstellen: intolerante(s), verbohrte(s), eingeengte(s) Verhalten oder Sichtweise, Zornausbrüche, Gereiztheit, Eifersucht, Schlafstörungen oder vermehrtes oder vermindertes Träumen, Nachtwandeln, Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelverspannungen, -verkrampfungen, Sehstörungen, Tinnitus, Hörsturz, Sinusitis, Nasenbluten, generelle Blutungen, Augen- und Sehnerventzündungen, Entzündungen im Genitalbereich, Apoplexie, Schmerzen im Hypochondium, Leberentzündungen, Leberzirrhose, Lebertumor, Gehirntumor und vieles mehr.

In der TCM werden also Symptome schon als Krankheiten angesehen, lange bevor sich schulmedizinisch gesehen irgendetwas im Sinne von Krankheit manifestiert hat, oder nachzuweisen ist.

Wie kann nun in der TCM diagnostiziert werden, wie ein Problem erkannt werden?
Dazu benutzt der TCM-Arzt seine fünf Sinne, indem der/die PatientIn durch visuelle Diagnose betrachtet wird, durch Hören der Körpergeräusche und Riechen des Körpergeruches. Mittels anamnestischer Fragen erfährt er die subjektiven Empfindungen/Probleme des/der PatientIn und durch das Betasten des Körpers (z.B. Pulsdiagnose) wird die Diagnose abgeschlossen. Diese Informationen werden verschiedenen Zuordnungssystemen zugeordnet, die das Grundgerüst der TCM bilden.

Yin & Yang

Nehmen wir das Beispiel von yin und yang. Yin und yang bildet die Basis des chinesischen Denkens und damit die Basis der TCM. Yin und yang, das ungleiche Paar und dualistische Prinzip, beschreibt die Welt, beschreibt das, was existiert und das, was „nicht existiert“, das Begreifbare ebenso wie das Unbegreifbare.
Yin steht für das Materielle, das Substantielle und das, was wir anfassen, also begreifen können, das, was sichtbar, messbar und erklärbar ist.
Yang steht für das Immaterielle, das Substanzlose und das, was wir nicht sehen, nicht fassen und damit auch nicht erklären können, das Energetische, das „Lichte“, das Unergründbare. Yin und yang sind die gegensätzlichen Kräfte, durch die wir uns erkennen.

Yin und yang sind beide Kinder des „Einen“, der „Einheit“, der „Ganzheit“. Diese Einheit/Ganzheit ist das Ursprüngliche, der grenzenlose Raum (wie es im Buddhismus beschrieben wird), in dem kein Zentrum und keine Peripherie existieren, wo es kein gestern und kein morgen gibt, ein „Zustand (Nichtzustand)“ ohne Raum und Zeit. Ein Zustand der Leere, der gleichzeitig kein „Nichts“ ist, Leere, die doch alles hervorbringt. Dieser Zustand bzw. „Nichtzustand“ ist mit Worten also nicht zu erklären und gebiert alles: den Kosmos, das Leben und die Existenzen die sich in yin und yang ausdrücken.

Erkenntnisse können wir nur erlangen, indem wir die Gegensätzlichkeit erfahren. Wir erleben die Welt erst durch die Auseinandersetzung mit unserem Gegenüber, durch das was außerhalb von uns ist. Erst durch die Betrachtung von außen bzw. durch die Existenz der Gegensätze und durch den Wechsel zwischen yin und yang entsteht die Welt, das Universum und alles was darin existiert und nicht existiert.

Der Tag könnte nicht ohne die Nacht existieren, das Böse nicht ohne das Gute, oben nicht ohne unten, Kälte nicht ohne Wärme, rechts nicht ohne links. Das ist Leben, das macht das Leben aus, es ist ein Pulsieren zwischen Systole und Diastole.

Das Prinzip von yin und yang ist nicht nur dem chinesischen Denken eigen. Alle Kulturen kennen dieses gegensätzliche Paar. Auch hier im Westen, im modernen Zeitalter, sehen wir diese Symbolik, beispielsweise im Heroldstab, im Äskulapstab, dem Symbol der Ärzte und Apotheker: Die beiden Schlangen, die einen Stab umwinden, weil sie die Gegensätzlichkeit vereinen und überwinden wollen. Die beiden Schlangen, die die Einheit verlassen, um wieder in die Einheit zurückzukehren, jedoch um die Erfahrung des Lebens reicher. Die beiden Schlangen, die aus der „Leere“, dem Paradies, geboren werden, das Leben überwinden und wieder zurückkehren in die Leere, in den Himmel. Das Leben meistern heißt, die Erfahrungen, die Eindrücke, die Ansammlungen, die wir durch den Wechsel von yin und yang erleben durften, wieder loszulassen. Denn nur „wenn ihr werdet wie die Kinder, könnt ihr ins Himmelreich einkehren“. Erst wenn wir unsere Unschuld wieder finden, „leer“ werden wie am Anfang, dann haben wir yin und yang überwunden.

Krankheit & Gesundheit

Krankheit und Gesundheit sind weitere Begriffe, die man yin und yang zuordnen kann, so wie Aktivität und Ruhe, Kraft und Schwäche, sowie energiegeladen, lebendig und kraftvoll auf der einen Seite und kraftlos, erschöpft und müde auf der anderen Seite.

Gesundheit ist ein harmonischer Zustand zwischen yin und yang, Krankheit ein Ungleichgewicht der Harmonie. In der TCM versucht man dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, bzw. bei Krankheit die Harmonie wieder herzustellen. Dies geschieht durch richtige Therapie, in der man z.B. bei Schwäche stärkt und bei Fülle eliminiert, bei Kälte wärmt und bei Hitze kühlt. Daher werden die einzelnen Therapiemethoden ebenfalls nach yin und yang eingeteilt. Pflanzen, Kräuter und Nahrung werden unterschieden und entsprechend yin und yang klassifiziert. Nichts ist dabei wirklich schlecht oder besonders gut. Es ist wertfrei, denn auch scheinbar „Schlechtes“ kann heilen und scheinbar „Gutes“ kann töten.

Die Fünf-Elemente-Lehre (Holz, Feuer, Erde, Metall & Wasser) ist eine Erweiterung der yin-yang-Theorie und auch das Prinzip der Dreiteilung und Vierteilung ist nichts als eine Verfeinerung, oder Spezialisierung des dualen Denkens. Diese theoretischen Grundlagen bilden die Säulen der TCM, sowohl für die Akupunktur und Moxibustion, als auch für Tuina/Anmo (physiotherapeutischen Methoden), Kräuterheilkunde und Diätetik. 

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